Kein Überkonsum mehr - Tipps um deinen Stoffkauf bewusster zu gestalten

Kein Überkonsum mehr - Tipps um deinen Stoffkauf bewusster zu gestalten

Bildquelle: Canva (@gettyimages)

Einen Satz den ich so oder ähnlich ständig zu hören oder lesen bekomme ist: "Ich habe zwar noch den ganzen Schrank voller Stoffe, aber Stoffe zu kaufen ist ja auch ein eigenes Hobby". Natürlich werfe ich jetzt nicht den ersten Stein, denn auch ich habe Stoffe die bisher noch nicht vernäht wurden, aber diese Glorifizierung eines Überkonsums finde ich schwierig. Selbst die Werbung von Stoffgeschäften zahlt mittlerweile oft auf dieses Narrativ ein. Ist ja auch praktisch den Kund*innen zu vermitteln, dass sie nie genug haben und die gegebenenfalls aufkommende Scham direkt mit einem lustigen Spruch abzufedern. Ich möchte hier auch niemanden angreifen, der sich gerade beschrieben fühlt. Dieser Artikel ist nur als kleiner Gedankenanstoß gemeint und in guter Absicht geschrieben.

Finde ich nur den Stoff schön, oder möchte ich daraus etwas nähen?

Diese Frage könnten wir uns beim Stoffkauf öfter mal stellen um zu verhindern, dass wir unser Geld für weitere Schrankleichen ausgeben. Trage ich so ein Muster überhaupt? Passen die Farben in meine Garderobe / Einrichtung? Trage ich dieses Material gerne? Habe ich eine konkrete Idee was ich daraus machen will? Nicht alles was schön ist, erfüllt auch weitere wichtige Aspekte um irgendwann unter dem Nähfuß zu landen.

Erfreue dich an schönen Dingen, ohne sie besitzen zu müssen!

Ja es gibt viele schöne Stoffe, aber das allein ist, wie oben ausgeführt, kein Grund ihn zu kaufen. Es kann auch durchaus einfach Spaß machen, sich diese schönen Stoffe anzusehen, sie dann z.B. zu fotografieren oder den Link zu speichern, sodass man später darauf zugreifen könnte. Das alleine kann schon helfen gegen den ersten Impuls anzugehen. Denn wie lange nach dem Kauf hast du noch Freude an Dingen, die du nicht verwendest? Ganz genau...

Geschmäcker ändern sich!

Manchmal kickt natürlich auch FOMO und wir befürchten, der Stoff könne ausverkauft werden und wir würden es dann bis an unser Lebensende bereuen, ihn nicht mitgenommen zu haben. Wenn du noch kein akutes Projekt vor Augen hast, oder sogar aktuell andere Projekte geplant sind, lass den Stoff liegen. Dein Geschmack ändert sich mit der Zeit und der Stoff ohne den du auf keinen Fall nachhause konntest, fällt dir drei Jahre später aus dem überfüllten Schrank entgegen und du wunderst dich, wieso du diesen Stoff damals gekauft hast.

Spare für Projekte die du umsetzen möchtest.

Nähen ist bekanntermaßen nicht das günstigste Hobby, also müssen wir es ja nicht noch unnötig teurer machen. Angenommen wir würden statt der impulsiven Stoffkäufe mal nur die Summe aufschreiben, statt den Stoff wirklich zu kaufen. Dann wäre bei dem nächsten Herzensprojekt auch ein hochwertiger Stoff drin, den wir uns sonst vielleicht nicht leisten würden. Wenn dein Gedanke jetzt in Richtung: "Aber drei Stoffe zum Preis von einem bieten mir doch viel mehr fürs gleiche Geld" gehen, möchte ich dich hier einladen, das Ganze mal zu Ende zu denken. Denn drei Stoffe die du nie vernähst, bieten meiner Meinung nach viel weniger Mehrwert, als dein neues selbstgenähtes Sommerkleid aus einem schönen Leinenstoff, welches du in Zukunft mit deinen schönsten Sommererinnerungen verknüpfen wirst. Dieser Gedanke hilft besonders dann, wenn ein Sale den Stoffkauf besonders attraktiv wirken lässt.

Hast du schonmal Stoffe verkauft? Der Wertverlust ist riesig.

Wenn ja, weißt du vermutlich, dass du nur einen Bruchteil des Geldes dafür zurückbekommen und vermutlich auch einiges an Zeit investiert hast. Alle Stoffe ausmessen, einstellen und mit Interessent*innen schreiben ist eine Menge Arbeit, die man sich mit solchen Impulskäufen ins Haus holt. Ich habe meine Stoffsammlung in zwei Schritten reduziert und jedesmal als Gesamtpakete verkauft, weil es mir den zeitlichen Aufwand einfach nicht wert war. Ist vielleicht kurz ärgerlich, aber jemand anderes freut sich über das Schnäppchen und es ist eine lehrreiche Erfahrung, um in Zukunft bewusster zu konsumieren.

Fazit:

Einen schönen Stoff für ein geplantes Projekt rauszusuchen ist ein wichtiger und schöner Schritt im Nähprozess, dass das Kaufen von Stoffen ein eigenes Hobby darstellt, wage ich aber zu bezweifeln. Wir können uns viel Zeit, Frust und Geld sparen, wenn wir uns bewusst damit auseinandersetzen, was wir wirklich brauchen und Projektspezifisch einkaufen. 

Ich wünsche dir ganz viel Spaß beim Nähen und der Auswahl deiner Stoffe!